Ringen mit Paulus
Halt! Bevor wir uns mit unserer heutigen Situation beschäftigen, will ich etwas einschieben. Ich sehe sie nämlich schon eine ganze Weile vor mir: die Leser, die mit den Füßen scharren und den Satz auf den Lippen haben: “Aber Paulus hat doch gesagt …!”
Der eine oder andere von Ihnen hat wahrscheinlich dieses Kapitel aufgeschlagen, bevor er überhaupt irgendetwas anderes in diesem Buch gelesen hat. Viele Christen denken bei Geschlechterfragen sofort an Paulus und die Betätigungsfelder in der Gemeinde. Manche messen sogar den Grad der Bibeltreue anderer an ihrer Haltung zu der Frage, ob eine Frau predigen darf.
Menschen, die dem Christentum kritisch gegenüberstehen, haben zur Begründung meistens irgendeinen chauvinistisch anmutenden Satz von Paulus im Köcher, den sie nun ebenfalls in Schussposition gebracht haben. Wenn das große, alte Bild auf sie eine Wirkung entfaltet und sie sich dabei ertappen, sich doch von der Bibel angesprochen zu fühlen, gehen sie schnell zu dem Satz über: “Hört sich ja alles ganz nett an, aber es gibt schließlich noch diese Aussagen von Paulus…”
Es scheint fast unmöglich zu sein, sich mit den Geschlechtern und den entsprechenden Aussagen in der Bibel zu beschäftigen, ohne sich sofort den Satz um die Ohren zu hauen: “Eine Frau schweige!” Anhand dieses Satzes ist mir im Lateinunterricht der Konjunktiv beigebracht worden (!). Wenn wir sonst auch nichts von Paulus wussten, so doch dies: ein Frauenfeind war er, der Wicht!
Aus “Die Sache mit der Rippe. Die himmlische Idee von den Geschlechtern.” von Frauke Bielefeldt.

